Strandware-Replika-Genuine-Custom Build – eine Begriffserklärung

Immer wieder wird man nach den Unterschieden zwischen Replikas und Gens gefragt. Hier möchte ich einmal aufschreiben, welche unterschiedliche Stufen es dazu gibt und was sie bedeuten.

Gerade bei Replikas wird man immer wieder mit den Begriffen Strandware, AAA, Factory Uhr und Franken konfrontiert. Gerade wenn man in diesen Bereich einsteigt, weiß man selten was es bedeutet, oder wie man diese unterscheidet. Hierzu möchte ich mit diesem Beitrag eine kleine Hilfe geben, die aber mit Sicherheit nicht vollständig und ausführlich genug ist. Es wird sehr schwer in den Bereichen Factory Uhren und Franken alles zu unterscheiden und es braucht viel Erfahrung, aber ich möchte Anhaltspunkte geben, von denen man sich selbst weiterentwickeln kann.

Strandware

Der Begriff kommt durch die Strandverkäufer in den Urlaubshochburgen. Dort sind oft Händler an den Stränden unterwegs und versuchen den ahnungslosen Touristen Schmuck und Uhren von minderwertiger Qualität für teures Geld zu verkaufen.
Natürlich lassen sich solche Sachen besser verkaufen, wenn ein bekannter Name darauf prangt. Gerade bei Uhren wird dann dort richtig Schindluder betrieben. Die dort angebotenen Uhren haben sehr oft nichts mit dem Original zu tun. Es sind auch sehr oft Phantasiemodelle, die es als Original nie gab.
Diese Uhren sind, je nach Geldbeutel, mit einem Quarzwerk oder dem billigsten Automatikwerk bestückt, die es gibt. Natürlich nicht wasserdicht und meistens sehr klapprig. Die Verarbeitung ist sehr schlecht, teilweise aus sehr dünnem Blech und oft auch nicht allergenfrei (Nickel, Kupfer, usw.). Auch werden oft große Marken in bunten, poppigen Farben angeboten, die es so auch nie gegeben hat.
Es wird die günstigste Glasvariante verwendet (Mineralglas in schlechtester Qualität) und wenn die Uhr eine Datumslupe hat, so besitzt sie meistens kaum einen Vergrößerungsfaktor, also nutzlos. Die Preise liegen, je nach Urlaubsort, zwischen 20 und 80 Euro, die aber rausgeschmissen sind.
Solche Uhren halten oft nicht mal ein Jahr und sollte etwas dran sein, kann man sie eigentlich nur noch wegwerfen. Ersatzteile sind fast nie verfügbar und auch die meisten Uhrmacher lassen von so etwas ihre Finger.

Tip:

Wenn ihr euer Handy dabeihabt, macht ein Foto von der Uhr und sucht diese über Google Bildersuche. Dann seht ihr schnell, ob es dieses Modell wirklich so gegeben hat, oder ob es nur ähnlich aussehende Uhren gibt.
Achtet dann auf die Aufdrucke auf dem Zifferblatt, Zeigerdetails und vergleicht die Uhr ganz genau mit dem Bild aus dem Internet. Dann fallen euch schnell Details auf, die nicht stimmen.

AAA und AAA+

Im Grunde fangen hier die ersten Replikas an. Es sind günstige Uhren, die den originalen optisch schon recht nahekommen. Die Bezeichnungen AAA und AAA+ hat sich irgendwann mal ein Verkäufer als Qualitätsmerkmal einfallen lassen, hat aber überhaupt keine Aussagekraft. Es handelt sich einfach um die unterste Stufe der Replikas. Hier gibt es teilweise gewaltige Qualitätsunterschiede. Die Preisspanne von AAA und AAA+ Uhren liegt zwischen 100 und 200 Euro.
Dieser große Preisunterschied entsteht durch die unterschiedlich verbauten Teile. Hier ist als erstes das Glas zu nennen, was einen guten Preisunterschied ausmacht. Die günstigen AAA Uhren haben ein Mineralglas. Zwar schon ein Besseres als die Stranduhren, aber halt immer noch empfindlich für Kratzer.
Die besseren AAA Uhren haben schon Saphirgläser, die kratzunempfindlich sind. Sollte die Uhr eine Lupe für das Datum haben, ist die Vergrößerung bei den AAA Uhren normalerweise entsprechend dem Original, also ca. das 2,4 fache. Wenn das Original eine Automatikuhr ist, ist bei der AAA normal auch ein Automatikwerk verbaut, dies ist aber in einfacher Qualität, aber schon wesentlich besser als bei den Stranduhren mit Automatik.
Sehr oft verbaut ist das 2813, aber in einer besseren Qualitätsstufe. Aber gerade bei Originalen mit Highbeat Werk, werden in den AAA Replikas dieser Uhren meistens Lowbeat Werke verbaut. Dies erkennt man sofort am Sekundenzeiger, der schrittweise vorgeht und nicht in einem sauberen unterbrechungsfreien Umlauf, wie bei dem Original. In recht seltenen Fällen kann man auch 2813 Highbeat Werke bekommen, die aber meistens nicht sehr langlebig sind.
Sollte es sich um eine GMT handeln, also 2te Zeitzone, so ist dort sehr oft ein 3804 verbaut, was eigentlich ein 2813 mit GMT Modul ist. Gehäuse und Armbänder sind bei den AAA Uhren schon wesentlich besser verarbeitet wie bei den Stranduhren, kommen aber normal noch nicht an die Verarbeitungsqualität der Originale heran. Grundlegend solltet ihr auch hier die Originale Uhr übers Internet suchen und mit den Bildern der angebotenen AAA Uhr vergleichen.

Factory Replikas

Dies ist eigentlich die höchste Qualitätsstufe, die man als Replika bekommen kann, ohne Modifikationen. Es gibt sehr viele Factories, die unterschiedlichste Schwerpunkte haben. Sie haben sich oft auf eine Marke, oder innerhalb der Marke auf bestimmte Modelle spezialisiert und versuchen dort so nahe wie möglich an das Original heranzukommen. Dies wird oft dadurch erreicht, dass eine Originale Uhr zur Verfügung steht und von den Factories auseinandergenommen und genau vermessen wird. Dadurch entstehen Uhren bei denen Teile gegen Originalteile getauscht werden können, weil die Passgenauigkeit vorhanden ist.

Auch hier gibt es große Unterschiede. Es fängt mit einfachen Modellen mit Lowbeat Werken an (bekannteste Factory ist hier BP), rauf bis zu Super Clones, die auch nachgebaute Originalwerke haben. Allerdings sollte man bei solchen Super Clones eines bedenken, diese nachgebauten Werke sind natürlich nicht in der Qualität zusammengebaut, wie im Schweizer Reinraum.
Wer sich so eine Uhr kauft, sollte sie direkt von einem Uhrmacher revisionieren lassen, damit er auch lange Spaß daran hat. Diese Werke sind normal nicht nach den Vorschriften gefettet und geölt, dazu können sich immer Staub und Metallreste in den Werken befinden, was die Werke auch schnell zerstören kann.
Solche Clonewerke kommen aber nicht in allen Super Clones vor. Es gibt auch viele Hersteller, die in Ihren Originalen Werke der Firma ETA verwenden. Diese ETA Werke werden auch seit Jahren in China nachgebaut und haben einen hohen Qualitätsstandard. Die bekanntesten sind das AETA 2824 und das AETA 2836 (Daydate Werk). Diese Werke sind den ETA Vorbildern sehr gut nachgebaut, meistens so gut, dass man sie gegen originale ETA Werke austauschen kann. Oft kann man diese Werke dann auch gegen die originalen Herstellerwerke tauschen, wie ich bei meiner Breitling Navitimer 1 beschrieben habe.
Factory Uhren fangen bei 220 Euro an und gehen dann, je nach Qualitätsstufe, rauf bis 800 Euro. Es ist also für fast jeden Geldbeutel etwas zu bekommen. Was die Gläser und Lupen angeht, so sind hier normalerweise durchgängig Saphirgläser verarbeitet und die Lupen sind auch nochmals besser in der Verarbeitung. Allerdings entsprechen Sie hier immer noch nur selten den Originalen.
Teure Factory Uhren sind für einen Laien nicht von den Originalen zu unterscheiden. Profis sehen es, aber normal auch nur mit sehr viel Erfahrung und meistens auch nur, wenn Sie die Uhr in der Hand haben. Am Handgelenk sieht es selbst ein Profi kaum. Darum werden diese Uhren auch gerne als best of „out of the box“ bezeichnet.

Franken Uhren

Hier betreten wir nun den Spezialisten Bereich. Franken sind Replikas, die bearbeitet wurden und wo Teile der Uhr gegen Originalteile getauscht wurden.
Die gängigsten Teile sind originale Gläser, Zeigersätze, Zifferblätter, Datumsscheibe und die Krone der Uhr. Teilweise gehen die Franken so weit, das nur noch das Werksgehäuse nicht original ist. Das lohnt sich aber auch nur, wenn man eine gute Factory Uhr als Grundlage hat. Denn bei einer guten Factory Uhr muss man wenig, bis keine Anpassung vornehmen, um das Originalteil verbauen zu können. Allerdings sind Franken auch ein teurer Spaß.
Die Originalteile sind oft sehr teuer und teilweise kaum zu bekommen. Dies geschieht dadurch, dass die Hersteller den Bezug solcher Teile reglementieren und auch dokumentieren, welcher Uhrmacher was bestellt hat. Für eine gute Franken ist man schnell einen guten 4-stelligen Betrag los.
Wenn euch eine Franken angeboten wird, verlangt immer Nachweise über die verbauten Originalteile (Rechnungen, Bestätigung des Uhrmachers, usw.). Ohne solche Nachweise solltet ihr von der angebotenen Uhr die Finger lassen. Denn auch hier gibt es Anbieter, die nur mit dem Begriff Geld machen wollen.

Genuine

Eigentlich sehr schnell und einfach erklärt, eine Genuine ist die originale Uhr des Herstellers. Normalerweise nicht in der Verarbeitung zu übertreffen, mit Garantie und allem Rapp und Zapp, wenn man über das entsprechende Kleingeld verfügt.

Custom Build Uhr

Im Grunde ist fast jedem von uns schon mal eine Custom Build über den Weg gelaufen. Als Custom Build bezeichnet man eine Uhr, die nach Kundenwunsch modifiziert wurde.

Die einfachste Art eines Custom Build ist die Aufbringung eines anderen Markenlogos. Sieht man oft bei den Automobilherstellern, die Uhren nehmen und mit Ihrem Logo ausstatten lassen. Darüber hinaus sind fast keine Grenzen gesetzt, außer eurem Geldbeutel.
Zwei sehr bekannte Firmen, die ganz offiziell Custom Builds anbieten sind Bamford und Blaken. Gerade Blaken Uhren sind auch als Replikas sehr beliebt. Einerseits bieten diese Firmen Standardmodelle in festen „Umbauten“ an, wie PVD Beschichtungen in unterschiedlichen Farben, aber man kann von Ihnen auch Markenuhren gestalten lassen, ganz nach euren Wünschen, wenn es technisch machbar ist. Bei diesen Firmen ist ein Höchstmaß an Professionalität gewährleistet, aber es kostet auch sehr viel Geld. Ebenso bieten verschiedene Uhrmacher Custom Builds an. Zum Teil sind es modifizierte Werke, Gehäuse, oder manchmal auch nach Kundenwunsch gestaltete Zifferblätter.
Es kann ja auch sein, dass man eine Uhr, die es nur in Stahl gibt, vergoldet haben will, selbst dies ist schon ein Custom Build. Wer einen Custom Build haben möchte, kann sich gerne mit den Uhrmachern in Verbindung setzen.

Mariage Uhren

Mariage Uhren sind nochmal ein spezieller Bereich. Auch dies sind im Grunde Custom Builds, aber hier wird versucht alte Werke zu erhalten und ihnen eine neue Optik zu geben.
Im Mariage Bereich wird sehr viel mit alten Taschenuhren (Handaufzug) gearbeitet. Diese werden oft in Armbanduhren eingesetzt, teilweise mit den originalen Zifferblättern, manchmal auch mit neu entworfenen, die dann absolute Unikate sind.
Hierbei sind einige Schwierigkeiten zu überwinden durch den Uhrmacher, denn die Werke müssen ja in die neuen Gehäuse passen. Also muss der Uhrmacher Werkshalterungen anfertigen, Aufzugswellen anpassen, usw. Darum ist auch eine Mariage Uhr eine enorme Handwerkskunst, die ihr Geld kostet, aber auch wert ist.
Gerade für Mariage Uhren gibt es einen speziellen Sammlerbereich. Wer Interesse an einer Mariage hat, kann sich mal an den Vintage Watch Doc wenden, oder einfach mal bei Ebay suchen, da gibt es ganz viele.